Erftstadt – Auch fünf Jahre nach der Flutkatastrophe suchen Menschen in Erftstadt weiterhin Unterstützung bei der Caritas Familien- und Erziehungsberatungsstelle Erftstadt (EB-Erftstadt). Mit dem Auslaufen der letzten „Wasserläufer“-Gruppe, einem eigens für die Flut entwickelten Angebot, zieht die Einrichtung nun Bilanz. Für viele Betroffene sind die Folgen bis heute spürbar. Die Unterstützung hat sich inzwischen fest in den regulären Beratungsalltag integriert.
„Die Flut ist für viele Menschen bis heute nicht einfach vorbei“, sagt Dr. Britta Schmitz, Leiterin der EB-Erftstadt. „Große Pfützen auf der Straße, starker Regen, bestimmte Gerüche – manche Menschen erleben solche Situationen noch immer sehr intensiv. Das zeigt, dass diese Erfahrungen während der Flutkatastrophe seelische Spuren hinterlassen haben, die gesehen und ernst genommen werden müssen.“
Unmittelbar nach der Flut vor fünf Jahren stellte die Beratungsstelle ihre Arbeit auf die neue Situation ein. Gemeinsam mit der Stadt Erftstadt, dem Jugendamt, dem Schulpsychologischen Dienst und weiteren Trägern entstand schnell ein enges Netzwerk psychosozialer Hilfen. Ziel war es, Betroffene zu erreichen, Orientierung zu geben und schnelle Unterstützung anzubieten. Neben Krisenintervention ging es in den ersten Monaten auch darum, Hilfen vor Ort zu koordinieren und zugänglich zu machen. Die enge Zusammenarbeit in der Kommune erwies sich dabei als wichtige Grundlage.
Allein in der Familien- und Erziehungsberatungsstelle summierten sich seit 2021 mehrere hundert Beratungen im direkten Zusammenhang mit der Flut. Die Entwicklung zeigt, dass die Ereignisse viele Menschen langfristig beschäftigt haben – auch über die akute Phase hinaus. So wurden im Jahr 2021 80 Beratungsfälle in der Einrichtung begleitet, 2022 waren es 78, 2023 gab es 57, 2024 noch 38 und 2025 erneut 50 Fälle. Auch im laufenden Jahr 2026 sind bis Ende Mai bereits 27 Beratungen hinzugekommen.
Der weiterhin bestehende Unterstützungsbedarf wird heute im Rahmen der regulären Angebote der Beratungsstelle aufgefangen. Themen, die aus der Fluterfahrung entstanden sind oder sich daran anschließen, sind damit zu einem festen Bestandteil der Beratung vor Ort geworden.
Ergänzend hat die Beratungsstelle ein eigenes Gruppenangebot für Kinder entwickelt. Die „Wasserläufer“-Gruppen richteten sich an Kinder, die auch im Alltag – etwa bei Regen oder im Umgang mit Wasser – Unsicherheiten zeigten. In einem geschützten Rahmen konnten sie ihre Erlebnisse verarbeiten, Sicherheit zurückgewinnen und Vertrauen zur Natur neu aufbauen. Die Gruppen wurden zuletzt im Frühjahr 2025 mit sechs Kindern, im Herbst 2025 sowie im Frühjahr 2026 mit jeweils fünf Kindern durchgeführt.
Ein Teil der Arbeit wurde durch zusätzliche Ressourcen im Rahmen des Flutprojekts ermöglicht. Die Beratungsstelle dankt insbesondere Caritas international und dem Lionsclub Voreifel e. V. für die Unterstützung. Mit dem Abschluss der letzten „Wasserläufer“-Gruppe endet nun der letzte sichtbare Teil der Fluthilfe. Doch die Aufgabe bleibt: Menschen in belastenden Lebenssituationen zu begleiten – auch dann, wenn die Ursache dafür bereits Jahre zurückliegt.
„Die seelischen Folgen der Flut werden heute oft erst im Gespräch sichtbar“, sagt Dr. Britta Schmitz und ergänzt: „Umso wichtiger ist es, diese Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen. Dafür sind wir weiterhin Ansprechpartner vor Ort“, so Dr. Britta Schmitz.
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Der Caritasverband für den Rhein-Erft-Kreis e. V. ist Träger von rund 70 Diensten und Einrichtungen rund um ambulante und stationäre Pflege, Familien-, Kinder- und Jugendhilfe sowie Beratungsdienste. Neun Seniorenzentren betreibt der Verband im Kreisgebiet. Mit über 1.700 Mitarbeitenden gehört er zu den größten Arbeitgebern im Rhein-Erft-Kreis. Hinzu kommen rund 1.000 Ehrenamtler. Damit ist der Caritasverband zugleich der größte Wohlfahrtsverband im Rhein-Erft-Kreis.
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Dr. Britta Schmitz, Leiterin der Caritas Familien- und Erziehungsberatung in Erftstadt
Foto: Barbara Petri / Abdruck honorarfrei